Die Dortmunderin Annelise Kretschmer (1903–1987) gehört zu den bedeutenden deutschen Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Mit der Wanderausstellung „Kosmos des Lebens. Die Fotografin Annelise Kretschmer“ würdigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Arbeit dieser Künstlerin. Annelise Kretschmer war eine der ersten Frauen in Deutschland, die ein Fotoatelier eröffneten, wobei sie es schaffte mithilfe der Eltern Familie und Beruf zu vereinigen. Schon in den späten 1920er Jahren erlangte sie vor allem als Porträtfotografin internationale Anerkennung, wurde eingeladen auf der „Film und Foto“ in Stuttgart auszustellen und in Zeitschriften zu publizieren. Auch in die „Gesellschaft Deutscher Lichtbildner“ trat sie ein, wurde jedoch unter nationalsozialistischer Herrschaft wieder ausgeschlossen: Da ihr Vater jüdisch war, galt Annelise Kretschmer als sogenannte „Halbjüdin“. Ab 1933 konnte sie daher nur in geringem Umfang weiterarbeiten, legte aber trotzdem noch 1936 ihre Meisterprüfung ab. Erst kurz vor Kriegsende flüchtete sie mit der Familie vor den Bombenangriffen aus Dortmund und verbrachte die letzten Jahre in der Nähe von Freiburg. In der Nachkriegszeit eröffnete sie ihr Atelier in Dortmund erneut und wurde bald eine feste Größe im städtischen Kulturleben. Im Laufe ihrer Karriere porträtierte Annelise Kretschmer Frauen, Kinder, Künstler*innen, Industrielle, Wissenschaftler*innen und Arbeiter*innen. Sie entwickelte dabei eine bildnerische Sprache, die die wesentlichen Charakterzüge der Menschen authentisch und unmittelbar einfängt. Auf diese Weise erschuf Anneliese Kretschmer mit ihren Fotografien einen direkten Kontakt zwischen Betrachtenden und Abgebildeten. Die Ausstellung „Kosmos des Lebens“ stellt künstlerisches Schaffen und Leben Anneliese Kretschmers anhand von 60 Ausstellungsreproduktionen aus dem Bestand des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster sowie acht Vintage-Prints aus dem Bestand des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund vor. Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen.